Browsing Category "Sattirre"
27 Apr
2014

Wenn einer eine Reise tut … #8

Zugeflogen - 3Komplizierte Lehnenverteilung

Fliegen ist nicht immer das reinste Vergnügen. Besonders der enge Abstand zwischen den Sitzen hat mit Sicherheit bei so manchem Orthopäden das Wartezimmer gefüllt. Man müsste die Verantwortlichen zwingen, einen Monat lang jeden Tag mehrere Stunden unter solchen Bedingungen zu fliegen oder die Arztrechnungen zu bezahlen.

Ein weiteres Problem stellt die gemeinsame Sitzlehne dar. Hier wird manchmal die Bereitschaft der Passagiere zu einem friedfertigen Umgang miteinander auf eine harte Probe gestellt.

Als großer Loriot-Fan könnte ich mir gut folgende Szene vorstellen, die wohl nur Viktor von Bülow in seiner unnachahmlichen spielen kann:

Loriot wendet sich an den neben ihm sitzenden Passagier und belehrt ihn:

„Mein Herr, diese Lehne steht uns beiden gleichberechtigt zur Verfügung. Ich habe genau auf die Uhr geschaut. Seit unserem Abflug vor über einer Stunde haben Sie genau 61 Minuten und 12 Sekunden die Lehne allein für sich beansprucht. Da wir in einer Stunde landen werden, habe ich nun ein Anrecht darauf, die Lehne für die restliche Zeit zu benutzen. Ich muss Sie also auffordern, Ihre Hand von meiner Lehne zu nehmen. Andernfalls sehe ich mich genötigt, mich bei der Stewardess zu beschweren.“

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20 Apr
2014

Wenn einer eine Reise tut … #7

Zugeflogen - 3Strenge Sicherheitskontrollen auf Mallorca

Es wird zeitlich eng. Das Flugzeug soll nun doch früher starten. Vor der Sicherheitskontrolle bildet sich eine lange Schlange. Alle scheinen nervös zu sein, auch die Sicherheitskräfte. Die Wasserflaschen sind noch schnell ausgetrunken worden und in den extra bereitstehenden Abfalleimer entsorgt. Nun ist da so ein seltsames Schild. Wir interpretieren es derart, dass die Bananen, die wir noch als Wegzehrung dabei haben, nicht mitgenommen werden. Oder ist etwas anders gemeint? Spanisch müsste man können. Schon werden wir weitergeschoben und lassen es darauf ankommen. So eine Banane kann man ja auch in ein paar Sekunden essen.

Nun teilt sich die Schlange auf drei Durchgänge auf und wir haben das Supermarktkasssensyndrom. Welche der Schlangen sollen wir wählen? Wir entscheiden uns für die goldene Mitte. Die Entscheidung scheint gut gewesen zu sein. Wir kommen gut voran, bis … es bei allen fünf vor uns piepst. Hastiges Abtasten ist die Folge. Und es dauert … Also wieder die falsche Schlange gewählt. Naja, sie werden wohl nicht ohne uns abfliegen.

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Endlich bin ich dran – alles in Ordnung. Ich raffe meine Sachen zusammen und gehe an einen der Tische, an denen man sich wieder in Ruhe den Gürtel umbinden und seine Wertsachen einstecken kann.

Hinter mir piepst es wieder. Irgendetwas im Handgepäck meiner Frau ist verdächtig. Sie vermutet, dass er die Banane meint und zeigt sie ihm. Die interessiert ihn aber überhaupt nicht. Hektisch durchsucht er die Tasche und wird fündig. Eine Nagelschere ist im Kulturbeutel. Erleichtert will der Kontrolleur durchwinken, als der Mann am Kontrollschirm wild fuchtelnd auf die Tasche zeigt und irgendetwas ruft, was sich hinterher als die spanische Version von „Scissors“ herausstellt. Ich befürchte schon, dass er uns bereits als Terroristen einstuft und kurz vor einem Herzinfarkt steht. Endlich findet der Kontrolleur die zweite Schere. Er geht zu seinem Kollegen und zeigt sie ihm. Das Piepen hat mittlerweile aufgehört. Das Corpus Delicti ist gefunden. Der Mann am Bildschirm beäugt vorsichtig die beiden Scheren. Dann winkt er ab. Wir dürfen unsere teuren Spezialscheren wieder einstecken, 30 € sind gerettet. Nun können wir unseren Adrenalinspiegel wieder abbauen. Normalerweise wäre der Kulturbeutel im Koffer gelandet, wegen meiner Erkältung blieb er aber mit den Medikamenten im Handgepäck. An die Scheren hatten wir nicht mehr gedacht.

Was wäre wohl in Deutschland in einem vergleichbaren Fall passiert? Die Scheren wären rigoros einkassiert worden. Spanien, du wirst mir immer sympathischer!

13 Apr
2014

Wenn einer eine Reise tut … #6

Zugeflogen - 3Streik in Frankfurt – was kümmert es uns?

Freitag, 21.02.2014

geplante Abfahrt 12:00  Uhr

Durchsage: Verschiebung auf 13:30 Uhr wegen des Flugzeugstreiks? – Warum? Bei unserer Rückkehr haben wir ja keine Kontrolle.

Später erfahren wir den Grund. Der Hinflug startete wegen der schleppenden Abfertigung später, um möglichst alle Passagiere mitzunehmen.

12:40 Uhr Ich gönne mir gerade eine leckere Pilzcremesuppe und eine Tasse Tee, kommt die schwer verständliche Durchsage: Abfahrt zum Flughafen sofort – allgemeines Chaos, da sich viele Familien an getrennten Orten aufhielten und sich erst finden mussten.

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Stau an der Abfertigungshalle. Gegen 13.10 Uhr erreichen wir unseren Bus. Alle anderen Busse fahren, nur wir müssen auf zwei Passagiere warten.

Die neben mir sitzende Dame nimmt die beiden in Schutz. Außerdem sei es doch egal, wann wir am Flughafen ankämen. Als meine Frau einwendet, dass wir als letzte auch die letzten Flugzeugplätze erhalten würden, schwieg sie auf einmal. Sie murmelt nur noch, dass Tchibo als Reiseveranstalter die Plätze wohl gebucht habe.

Sie saßen übrigens wie wir weit voneinander getrennt auf Sitzen am Mittelgang.

6 Apr
2014

Wenn einer eine Reise tut … #5

Zugeflogen - 3Ein Kellner als Künstler

Am vorletzten Reisetag führte uns ein Kellner seine Fingerfertigkeit vor. In kürzester Zeit zauberte er aus einer Serviette eine weiße Rose und eine Taube. Die Damen am Nachbartisch, denen er diese Prachtexemplare überreichte, waren entzückt. Auch wir spendeten ihm Beifall. Er verschwand geschmeichelt.

 Fünf Minuten später tauchte er aus dem Nichts auf und legte meiner Frau eine rote Rose auf den Tisch.

 

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Kurz darauf war auch sie im Besitz einer kunstvollen Taube. Eigentlich wollte ich aus Spaß noch eine Bemerkung über die Diskriminierung der Männer machen, die nie solche Geschenke erhalten. Allerdings schwieg ich lieber aus Sorge, er könne es missverstehen. Außerdem ist ein Geschenk, das man durch die Hintertür einfordert, kein richtiges Geschenk.

Weiß die Reederei eigentlich, welch verborgene Fertigkeiten ihre Crew hat? Beide haben jetzt einen Ehrenplatz auf unserem Schreibtisch.

30 Mrz
2014

Wenn einer eine Reise tut … #4

Zugeflogen - 3Die Tücken des Essensfassens

Mittagszeit – Essenzeit – Eine reichliche Auswahl an köstlichen Suppen wartet auf die hungrigen Gäste.

Dummerweise stellt sich das Füllen des Tellers als zeitaufwendiges Geschicklichkeitsspiel heraus. An allen Seiten, oben und nach vorn abgeschrägt, befindet sich eine Glasabdeckung, die mit Sicherheit ihren Sinn hat. Vorn ist eine schmale Öffnung, um die Suppe auf den Teller füllen zu können. Dumm ist nur, dass der Stiel des Schöpflöffels so lang ist. Er stößt oben gegen die Glasabdeckung, bevor die Kelle den Topfrand erreicht hat. Wie soll man da den Teller füllen? Ob der Konstrukteur oder der Besteckbeschaffer es selbst einmal getestet haben?

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Der zweite Versuch kann starten, wenn rechts oder links niemand anders Suppe schöpfen will. Man muss mit dem Arm schon über den nebenstehenden Topf gehen, um der Kelle eine Chance zu geben. Dummerweise kippt ein Großteil der Suppe in den Topf zurück. Mit List und Tücke kann man den Rest in den Teller füllen, muss aber aufpassen, dass man nichts verschüttet. Warum nur muss die Kelle so lang sein?

Was man nicht so alles tut, um die appetitanregenden Suppen zu erhalten.

Der zweite Intelligenztest ist zum Schluss gefordert, wenn man sich Eis holen will.

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Der Stand besteht aus 4 Teilen, durch Glaswände getrennt. Links sind die Schüsseln, rechts davon Sahne und Soßen, daneben das Eis, ganz rechts ein Wasserbehälter zum Säubern des Eislöffels.

Wollen mehrere Gäste Eis holen, gibt es ein Abstimmungsproblem. Der erste nimmt einen Teller, geht nach rechts zum Eis, der nächste holt sich ebenfalls links den Teller, zögert etwas und stellt sich dann rechts von dem ersten Gast an. Der nächste folgt dann seinem Beispiel. Bis dann ein Gast kommt und … links stehen bleibt. Es dauert aber in der Regel nicht lange, bis er das Eisauffüllsystem begriffen hat. Wäre es nicht einfacher, die Teller nach rechts zu stellen? Auch hier scheint der Konstrukteur keinen Feldversuch vorgenommen zu haben.

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Eine weitere Nickeligkeit ist das Säubern des Eislöffels. Dummerweise ist zwischen den Eisbehältern und dem Wasserbehälter – richtig – wieder eine Glaswand, gegen die man regelmäßig stößt. Man muss einen kleinen Schritt zurück machen und läuft Gefahr, dass Eis auf den Boden tropft. Wollte der Konstrukteur das Lernverhalten der Gäste testen oder hat er sich gar nichts dabei gedacht? Wenn das Eis nicht so gut geschmeckt hätte, wär dies alles ein Grund gewesen, diesen Bereich zu meiden.